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MULTICOLOUR - THE COLOURS OF TRAVELLING

MULTICOLOUR - THE COLOURS OF TRAVELLING
Was bisher als lebhafte Erinnerung mit im Gepäck war, geht 2019 selbst auf große Tour: Die schönsten Farbeindrücke des Mountainbike-Roadtrips zu den besten Trails in Mexiko, dienen als Inspirationsquelle für die brandneue MULTICOLOUR EDITION.


Ein lauter Knall, dann ein Ruckeln. Wenn man den Horrorgeschichten über Mexiko Glauben schenken mag, sollte man jetzt hier, hoch oben in den Bergen zwischen Puerto Vallarta und Mascota, in der Dämmerung das Schlimmste vermuten. Nur ein paar einsame Cowboys treiben am Wegesrand ihre Kühe zusammen. Doch das Knallen und Klappern kommt von unserem fünfunddreißig Jahre alten Pick-up, der sich mit kaum 20 Kilometern pro Stunde und jeder Menge Fehlzündungen den steilen Berg nach oben kämpft.

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Als Daniel mit der Idee zu mir kam, einen alten Pick-up zu kaufen und damit quer durch Mexiko von Mountainbike- Destination zu Mountainbike- Destination zu fahren, war ich zunächst durchaus etwas skeptisch. Mexiko, das ist doch das Land mit dem Drogenkrieg, wo die Pistolen locker sitzen und man leicht einfach mal erschossen werden kann ... Doch eines gleich vorneweg: Diese Vorurteile können wir nicht bestätigen. Wir erlebten ein Land mit unglaublich netten, zuvorkommenden Menschen, dem besten Essen überhaupt und sensationellen Trails!

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Nur ein Jahr später sitzen wir in unserem gerade neu erworbenen Dodge, die vollgepackten Bike-Taschen auf der Ladeflache, und fahren in die mexikanische Nacht hinein. Wir sind auf dem Weg nach Mascota, einem kleinen Bergdorf circa zehn Fahrtstunden westlich der Hauptstadt Mexico City. Hier gibt es jede Menge Trails, eine kleine Hütte zum Übernachten und die passenden Werkstatten, um das Auto (wieder) fit für die weitere Reise zu machen.

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Und es zeigt sich, dass Alvaro, unser Freund vor Ort, nicht übertrieben hat, was das Mountainbiken in Mascota angeht: Die Mischung aus Felsen, Sand und feinem Staub gleicht einer Eisflache und unsere Reifen finden kaum Grip auf dem gelben Stein. Die einzige Chance, die Kontrolle zu behalten, sind die Felsen am Wegesrand, die als natürliche Anlieger dienen. Am ersten Tag auf diesem ungewohnten, anspruchsvollen Terrain bin ich mir zu 100 Prozent sicher: Ich kann eigentlich gar nicht Mountainbiken!

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Doch nach zwei, drei Abfahrten bin ich gefühlsmäßig wieder auf meinem Bike angekommen und fege meinen beiden Weggefährten wie der Blitz hinterher. Immer wieder müssen wir allerdings den spitzen Blättern der Agaven ausweichen, die hier in verschiedenen Sorten im ganzen Land verteilt wachsen und aus denen Recilla, einer Art Tequila, gemacht wird.

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Die Tage vergehen; morgens sind wir in der Autowerkstatt und dann bis in die Nacht hinein mit unseren Bikes auf den Trails. Immer wenn wir am Ende der Trails in den kleinen Dörfern in der Gegend einfahren, werden wir herzlich empfangen und oft einfach zum Essen eingeladen. Dann gibt es Tortillas in allen Variationen – aus gelbem Mais, aus rotem Mais, ja sogar aus blauem Mais! Und immer sind sie gefüllt mit den schmackhaftesten Leckereien.

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Nach einer Woche ist der Pick-up schließlich fahrtauglich und bereit für die Weiterreise. Wir verstauen unsere Ausrüstung in den Taschen und machen uns auf den Weg ins Landesinnere. Nach einem kurzen Stopp auf den Dschungel-Trails bei Puerto Vallarta fahren wir weiter über Guadalajara und vorbei an der Stadt Tequila. Schon Kilometer vor dem Ortsschild erstrecken sich riesige azurblaue Felder über das ganze Land. Die „Agave Azul“ (blaue Agave) ist die Hauptzutat für den weltweit bekannten Tequila.

Unterwegs durchqueren wir die unterschiedlichsten Vegetationszonen und Welten: vom Dschungel mit Krokodilen über einsame Wüstengebiete, vorbei am Großstadtgewimmel bei Mexico City. Schließlich kommen wir irgendwann mitten in der Nacht in Valle de Bravo an.

Die lange Autofahrt steckt uns noch in den Knochen, trotzdem schleichen wir uns am nächsten Morgen ganz früh aus dem Haus und laden unsere Bikes auf den Pick-up. Heute mochten wir die Trails auf dem nahegelegenen Vulkan Nevado de Toluca erkunden – mit seinen fast 5000 Metern Seehöhe der viert höchste Berg Mexikos. Noch nie zuvor war ich auf solch einer Höhe gewesen! Schritt für Schritt setzen wir einen Fuß vor den anderen, doch der Gipfel scheint einfach nicht näherzukommen. Mehrere Stunden später stehen wir schließlich doch hoch oben auf dem Vulkan. Die Welt um uns herum scheint ganz klein und leuchtet in der strahlenden Sonne in wunderschonen Blau- und Brauntonen. Voller Vorfreude auf den kilometerlangen Trail zurück nach Valle de Bravo schwingen wir uns auf unsere Bikes und verschwinden in einer großen Staubwolke.

VIVA MÉXICO!

 


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